Zur urkundlichen Erstnennung Zwätzens (I) - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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Zur urkundlichen Erstnennung Zwätzens (I)

Historisches

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Die älteste urkundliche Überlieferung über den Ort Zwätzen (Cwecen, Zwetzen) befindet sich heute in der sächsischen Metropole in Dresden. Dorthin ist sie im Jahre 1563 zusammen mit zahlreichen anderen wertvollen Dokumenten aus dem Balleiarchiv unter recht mysteriösen Umständen gelangt. Ein Inventar der Ordensurkunden aus der ehemaligen kursächsischen "Rentkammer" ist datiert "Anno 1563". Demzufolge fällt der Vorgang der Aktenverlagerung in die Regierungszeit von Kurfürst August I. (1526-1586). Von großer Bedeutung ist eine gut erhaltene, besiegelte Pergamenturkunde aus dem Jahre 1182, die im genannten Inventar jedoch fälschlicherweise mit "1180" datiert wird.

Urkunde mit der Erstnennung von 1182
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In dieser urkundlichen Ersterwähnung vom 16. September 1182 wird ein Gut in Zwätzen (Cwecen) zusammen dem wahrscheinlichen Ausstellungsort Dornburg (Thorenburch) und Jena (Gene) genannt, wobei Jena eher beiläufig erwähnt wird, denn in der Sache ging es eben nicht um diesen Ort, der hier lediglich zur geographischen Orientierung diente. Mit dieser auf der alten Königspfalz Dornburg ausgestellten Urkunde wurde dem wettinischen Kloster Altzelle bescheinigt, daß ihm 1 Hufe (Flächenmaß: 1 Hufe = 30 Morgen, 1 Morgen = 3000 qm) und ungefähr 30 Acker (Flächenmaß: 1 Acker = 2 Morgen) Wald zur Anlegung eines Weinberges für 32 Mark (Gewichtseinheit: 1 Mark Silber = 14 Taler) überlassen worden war. Auch eine spätere Aufschrift von der Hand des Urkundenschreibers Istud cyrographum pertinet ad cellem sancte Marie; de vinea et de manso in Zwecen bezeugte die Tatsache, daß es sich dabei auch um das älteste Zeugnis für den Weinanbau auf Zwätzener Territorium handelt. Aussteller jener Urkunde mit dem Reitersiegel seitens eines Werner von Mora war der politisch ambitionierte Landgraf Ludwig III., der "Fromme" (um 1151/52-1190), der Sohn von Landgraf Ludwig II. und Jutta, Tochter Herzog Friedrichs II. von Schwaben, Halbschwester Kaiser Friedrich I. Barbarossas. (1152-1190). Der Thüringer Landgraf sollte sich am Ende seines Lebens als Kreuzfahrer im wörtlichen Sinn einen Namen machen. Seine Taten im Heiligen Land rechtfertigten den Beinamen des "Frommen" der allgemein üblich wurde. Als Teilnehmer des 3. Kreuzzuges, des Kreuzzuges Barbarossas, war er 1189/90 auch an der Belagerung der Stadt Akkon, dem Hauptbollwerk und Schlüssel zum "Heiligen Land" führend beteiligt gewesen. Nachdem er am 27. März 1188 auf dem Reichstag von Mainz das Kreuz genommen hatte, war er aber nicht dem Staufenkaiser auf dem langwierigen und gefahrvollen Landweg durch den Balkan und Kleinasien gefolgt, sondern hatte von Süditalien aus die Schiffsreise angetreten und war am 24. September 1189 vor Akkon angelangt, wo er ungefähr ein Jahr als Befehlshaber militärischer Aktionen zubrachte.
Hinweis: Alle Flächen-, Wege- und Gewichtsmaße können regional voneinander abweichen.

Wir finden in der von Landgraf Ludwig III. besiegelten Urkunde einen Beleg für den Ausbau der Positionen der "Ludowinger" an der mittleren Saale. Seit 1130/31 war Thüringen Sitz dieser thüringisch-hessischen, in enger Verbindung zum König- und Kaisertum stehenden Landgrafschaft. Um 1200 beherrschten die Ludowinger ein Gebiet, das sich von Lahn und Sieg im Westen bis zur Unstrut und Saale im Osten, im Süden von der Werra bis zur Helme im Norden erstreckte.

Nach dem Aussterben der Thüringer Landgrafen im Mannesstamm endete im Jahre 1247 eine bedeutende Periode herrschaftlicher Integration und kulturellen Aufschwungs in der Geschichte Thüringens.


An der Saalelinie zwischen Jena und Naumburg waren in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts Ludowinger und Wettiner gleichermaßen bestrebt, ihre Landesherrschaft auszudehnen. Am Kirchberg bei Jena, jener bedeutenden meißnischen Grenzburg am rechten Saaleufer, standen sich Wettiner und Ludowinger im 12. und 13. Jahrhundert teilweise feindlich gegenüber. Im Zusammenhang mit diesem Besitzerwerb Altzelles könnte demnach ein zielgerichtetes Ausgreifen des Zisterzienserordens in das unmittelbar westlich der Saale gelegene Altsiedelgebiet vermutet werden. Dafür spricht auch die Tatsache, daß gerade die wettinische Altzelle in dem westsaalischen Dorf Zwätzen besitzmäßig Fuß faßte. Von Landgraf Ludwig III. wurde das zum Anlaß genommen, in der Urkunde explizit die politische Zugehörigkeit Zwätzens zu seinem Herrschaftsgebiet hervorzuheben. Wegen der schwierigeren klimatischen Bedingungen war den Zisterziensern in Altzelle kein eigener Weinanbau möglich.

Brakteat (Pfennigmünze)
mit Darstellung von Ludwig III.


Ihre Kenntnis hatten sie wohl von den Portenser Mönchen erhalten. Diese versprachen sich von der Lage offenbar einen guten Ertrag der besonders arbeitsintensiven Kultur. Sie besassen auch ein ausgeprägtes Gespür für das Ökonomische und gelten im Allgemeinen als Gründer des Weinbaus in Thüringen. Den Mönchen ging es später sicher nicht nur um den liturgisch gebrauchten Meßwein, sondern auch um den Anteil an einer standesgemäßen Lebensführung. Aufgrund der günstigen Boden- und Klimabedingungen und der Saalelage wurde der Weinbau zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Klosterhofs und der späteren Kommende.


Die Mönche der Zisterzienser konnten allerdings ihre Pfründe lediglich 100 Jahre lang geniessen, denn am 1. Mai 1282 verkaufte Abt Burchard sämmtliche Güter in Zwätzen für 100 Mark Silber an den Deutschen Orden. Man verkaufte die Grangie, um die "Last der Schulden" des eigentlich als wohlhabend geltenden Klosters zu vermindern. Vielleicht hat aber auch der lange und für die damalige Zeit beschwerliche Transportweg nach Sachsen eine Rolle gespielt. So gelangte auch die 1182 ausgestellte Urkunde mit der Ersterwähnung zusammen mit anderen in den Besitz seines neuen Eigentümers nach Zwätzen.

Umzeichnung Siegel Ludwigs

© 2007, Dr. Thomas Pester

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