1. Der Tannhäuser als Deutschordensritter - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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1. Der Tannhäuser als Deutschordensritter

Historisches > Historische Miniaturen

Herkunft und Leben des Dichters Tannhäuser sind hinter seiner Sage verschwunden, über deren Entstehung und Verbindung mit dem berühmten Minnesänger man nichts weiß. Aufgrund der Miniatur aus dem Codex Manesse war man geneigt, den Dichter einem bei Nürnberg ansässigen Geschlecht zuzuordnen und in ihm den Ritter Siboto de Tanhusen zu sehen, der von 1259 bis 1261 als Ritter des Deutschordenshauses in Nürnberg bezeugt ist, zumal die fränkische Stadt mehrfach in den Versen des Sängers erwähnt wird. Da die Dichtung des Tannhäusers zwischen 1240 und 1270 zu datieren ist, wäre die Zeit zwar richtig, allerdings stimmt das Wappen dieses Geschlechts nicht zu dem im Codex. In der Tracht eines Deutschordensritters –im weißen Mantel mit schwarzem Kreuz darauf- steht die Gestalt des Tannhäusers, dem Betrachter frontal zugewandt, in der Bildmitte. Die rechte Hand rafft den über Schultern und Arme fallenden Umhang, die linke ist in einem feierlichen Redegestus vor der Brust erhoben. Das weiße Tuch der Bundmütze ist wie ein Kissen dem bärtigen Kopf unterlegt, und die gespreizten Füße berühren nur mit den Spitzen den unteren Bildrahmen.


Der Eindruck des Schwebens und der feierlichen Würde erinnert an hochgotische Grabmalplastik, unter der der Maler ein Vorbild für Haltung und Gewand finden konnte. Während in der oberen Bildzone Schild und Helm den Dargestellten flankieren, rahmen ihn seitlich zwei vom unteren Bildrand aufsteigende rote Ranken, die in grünen Ahorn- und Eichenblättern enden. Eine neuere Bilddeutung sieht in ihnen eine Anspielung auf die Tannhäusersage. Dann könnte im Bild des Tannhäusers die Zugehörigkeit des Dichters zu Maria, der Muttergottes, deren Beistand er seine Erlösung verdankte, ausgedrückt sein – nannten sich doch die Ordensritter „Herren vom Deutschen Hause von St. Marien.“

 
aus: Codex Manesse, Frankfurt a. M., 1988, S. 184 (gekürzt)     


 
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