3. Epitaph für Christine Sophia Rhaesa - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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3. Epitaph für Christine Sophia Rhaesa

Historisches > Historische Miniaturen

In der mittleren Etage des Kirchenschiffs der St. Marienkirche in Zwätzen findet sich ein eindrucksvolles Zeugnis von frommer Epigraphik aus dem frühen 18. Jahrhundert. In typisch barocker Weise haben Amtmann Martin Theodor Rhaesa und seine Gattin Maria Sibylla auf einem Epitaph ihrer Trauer über den Tod ihres 1724 verstorbenen Töchterchens Ausdruck verliehen. Auf der vergoldeten, nachgedunkelten Tafel läuft ein Kranz mit Akanthusranken rings herum. Im oberen Teil ist eine Rose mit Käfer gemalt mit einem beigeschriebenen Spruch:
Kaum bricht die Rose auf, setzt sich der Käfer drauf, drum nahm Gott dies Rösgen an, damit er’s nicht beschmeißen kann. Als Sinnbild für das blühende, früh aus dem Leben gerissene Mädchens wählten sie die Rose. Der volkstümlichen Beliebtheit der Rose wegen, begann die christliche Theologie und Frömmigkeit, sich das Symbol der Rose anzueignen. Diese setzte sich seit dem Mittelalter als Sinnbild von Reinheit und Sittlichkeit durch und wurde zur ständigen Begleiterin  der Gottesmutter Maria. 

In dieser Lesart wäre der Käfer als das von außen in das Leben Eindringende zu deuten. Gott habe so das Kind zu sich geholt, um  Unheil von ihr abzuwenden. Unter dem tatkräftigen Amtmann Rhaesa, der einer alteingesessenen Thüringer Pfarrerfamilie entstammte, gelang ab 1712 der großzügige Umbau des alten Amtshauses, des heutigen Wohnsitzes des Pfarrers, in einer damals modernen Gestalt. Es wurde von ihm ganz neu gebaut über dem alten Kellergeschoß des Deutschordens-Statthalters Wilhelm von Holdinghausen aus dem 16. Jahrhundert. Vom großen Brand in Zwätzen von 1722 ist das Gebäude aufgrund seiner freien Lage nur gering betroffen worden. Zwei Jahre später ist Christine Sophia Rhaesa gestorben.

c  2015, Kulturlandschaft Zwätzen e.V. (für den Text)

 
 
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