Zur Ikonographie des Deutschen Ordens (VI) - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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Zur Ikonographie des Deutschen Ordens (VI)

Historisches

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Von der Frühzeit des Ordens kündete in Zwätzen seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert ein spätes Zeugnis, eine ca. 1680 datierte bildliche Darstellung. Es handelt sich um einen Zyklus der Wappenverleihungen, der zum festen ikonographische Programm gehörte und wohl fast in jeder Kommende in Form von Fresken oder Drucken vorhanden war. Gerade die großformatigen Ausführungen waren dazu gedacht, den Brüdern selber die Verbindung zu den großen Autoritäten der Gründungszeit (Kaiser, Papst) vor Augen zu halten. Jene bildlichen Darstellungen der Verleihung durch die geistlichen und weltlichen Herrscher aus dem Rittersaal des Zwätzener Komturhauses -bei Paul Lehfelds Inventar der Kunstschätze im Band Amt Jena und später im Band Amt Weimar beschrieben- konnten im Zusammenhang mit den Recherchen zu dieser Ausstellung wieder ausfindig gemacht werden.

 
 
 

Zyklus aus dem Zwätzener Rittersaal (nach Venator)

 

In einem sinnstiftenden ikonographischen Programm wurde in Zwätzen an zentraler Stelle über die bedeutsamen Insignienverleihungen durch die vier mächtigsten Herrscher der Zeit unterrichtet. Erhalten geblieben sind auch Kopien von Tafelbildern aus dem 18. Jahrhundert aus dem einstigen Rittersaal des Komturhauses in Zwätzen mit verklärender Darstellung der bedeutsamen Insignienverleihungen durch die mächtigsten Herrscher der Zeit, so Papst Cölestin und Kaiser Heinrich VI. (reg. 1190-1197). Wie das vom König von Jerusalem verliehene goldene Krückenkreuz war auch der Herzschild mit dem Adler ein Sonderzeichen des hochmeisterlichen Wappens. Auch seine Verleihung ist urkundlich nicht belegt; sie kann vielleicht im Zusammenhang mit der berühmten Urkunde von Rimini erfolgt sein, in welcher Friedrich II. im Jahre 1226 dem Hochmeister eine reichsfürstliche Stellung zuerkannt hat. Wesentlich fragwürdiger scheint jedoch die angebliche Verleihung der Lilienenden durch König Ludwig dem Heiligen von Frankreich um 1250. Eine Darstellung aus dem 18. Jahrhundert zeigt einen fiktiven Zug des Hochmeisters inmitten der Ritter zu den Instanzen der Wappenverbesserungen.

 

Celestinus der ander ich gehaissen bin.
gottes gnad gab mir den sinn,
das ich den teutschen orden angefangen hab
und den schilt mit dem schwartzen Creutz gab.

In Jerusalem gewaltigklich
was ich zu den zeitten kunig Hainrich,
das ich legt mein wappen an disen schylt,
ain gulden Creutz, das mich durch got nit empfyltt.

Ich Ludwig kunig zu Franckreich
hab gelegt willigklich
von gold meiner gilgen vier
disem schilt zu grosser zier.

Zu Rom kunig und keyser was ich
Friderich der ander gewaltigklich,
disen schilt durch got ich eert
mit des Reichs adler ich in mertt.

Zug des Hochmeisters
(aus: Calender 1731)


 
 
 

Quelle: Codex der Hochmeisterchronik, in: Scriptores rerum prussicarum, 3. Bd. (1866), S. 525



 
 
 

Wappen der Hochmeister aus Hartknoch, 1684

 

© 2007, Dr. Thomas Pester

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