5. Im Schieferhof Nägelstedt - Renaissanceportal von 1565 - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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5. Im Schieferhof Nägelstedt - Renaissanceportal von 1565

Historisches > Historische Miniaturen
Der Ort Nägelstedt an der Unstrut, seit den 1990er Jahren Ortsteil  von Bad Langensalza, ist eine Partnerkommende von Zwätzen. Als ein Kleinod der Deutschordensarchitektur kann der sog. „Schieferhof“ gelten, der in den letzten Jahren vorzüglich restauriert worden ist. Am Tag des offenen Denkmals zum Thema „450 Jahre Schieferhof“ im September 2015 erstrahlte auch der Haupteingang der Anlage, das Renaissanceportal von 1565, in neuem Glanz. Einst sollte es von den Taten und Lebensformen seines Erbauers, des abtrünnigen Landkomturs Hans von Germar, künden. Über dem Haupteingang des Schieferhofes befindet sich ein plastisches Allianzwappen Germars und seiner Ehefrau Katharine von Knobloch. Es sollte emblematisch die neu gewählte, bürgerliche Lebensform des zum Luthertum übergetretenen ehemaligen Ordensritters demonstrieren. Nicht genug damit, daß er sich widerrechtlich in den Besitz der Häuser Liebstedt, Lehesten und Nägelstedt gebracht hatte, nahm er zum Ärger der Ordensoberen eine Person Names „Knoblich“ zur Frau.  
In einem Protestschreiben des Hochmeisters vom 1. Juni 1561 an Kurfürst August von Sachsen stellte dieser fest, daß Germar von den Kaisern bestätigte Gesetze „unverschämt“ übertreten habe, und alle und jede Reichsstände „einen solchen nicht schirmen“ sollten. Bereits am 14. Mai 1561 hatte sich Germar zu rechtfertigen gesucht gegenüber den Vorwür­fen wegen seiner Lebenshaltung: Er habe sich verheiratet, weil der heilige Paulus den Ehestand als göttliche Einrichtung erachte; er müsse sich als kursächischer Landstand unter Oberherrschaft seines Landesherrn be­trachten und leugnete im Grunde mit Blick auf die kaiserlich und päpstlich gewährten Ordensprivilegien die freie Verfügungsgewalt des Deutschmeisters in allen personellen und güterrechtlichen Belangen der Ballei Thüringen. Mit dieser Auffassung hatte Germar gegen alle drei Gelübde der Armut, der ehelosen Keuschheit und des Ordensgehorsams verstoßen. Mit kurfürstlicher Billigung behielt der abgesetzte Statthalter bis zu sei­nem Tode 1568 die Häuser im Privatbesitz. Im Hauptsitz  Nägelstedt ließ er 1565 den kreisförmigen Schieferhof im Renaissancestil in der Dorfmitte errichten, der sicher auch Verteidigungszwecken diente. Als Erbe des repräsentativen Wohn- und Wehrbaus setzte er seinen minderjährigen Sohn Adam ein, der später in Jena studierte.
 
Unter den reichlich überlieferten baulichen Zeugnissen nimmt das künstlerisch gehaltvolle, in seiner historischen Farbfassung wiederhergestellte Allianzwappen einen wichtigen Platz ein. Darunter befindet sich eine umfangreiche, restaurierte Inschrift, wohl quasi das neue Lebensmotto des Hausherrn und seiner Partnerin, welches mit den Worten endet „Und gieb allweg der göttlichen Dreyfaltigkeit ehr/von dannen kombt wie der weise sagt alles her!“ Weitere Wappendarstellungen an dem Portal zeigen links der Inschrift die von Schierbrandt und von Bock, rechts die von Barth und von Greußen. Die Wappen von Bendeleben und von Koller befinden sich darunter in den Bodenzwickeln des prächtig ausgestatteten Portals. Am 12. September 2015 präsentierte sich eine Fremdenführerin davor im historischen Kostüm.       
 
 
Copyright Bild: Martina Pester
Copyright Text: 2015 Kulturlandschaft Zwätzen e. V.

© 2016, Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

 
 
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