7. Die Henkelschale des Kardinals - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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7. Die Henkelschale des Kardinals

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Der namhafteste unter allen Zwätzener Landkomturen war der 1666 geborene Christian August von Sachsen-Zeitz. Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn fun­gierte er von 1716 bis 1725 als Vertreter von Kaiser Karl VI. auf dem Reichstag zu Regensburg. Auf dieser dauerhaften reichsständischen Versammlung, ließ sich der Herrscher durch einen „Prinzipalkommissar“ vertreten. Seine Hauptaufgabe bestand in der Entgegennahme der Beglaubigungs- schreiben von ordentlichen und ad hoc delegierten Gesandten und der Veranstaltung großer Empfänge mit penibel ausgetragenen Zeremonialkonflikten.
Den auswärtigen Gesandten erschien der Reichstag oftmals als eine große Gerüchteküche und der Prinzipalkommissar als der vorgeschobene Horchposten des Kaisers (Axel Gotthardt). Jene Institution wurde jedenfalls zur wichtigen Scharnierstelle zwischen Wien und Regensburg, wo er auf Schloss Emmeran mit großem Pomp residierte und zur Tafel lud. Heute ist es Sitz der Gräfin Gloria von Thurn und Taxis mit ihrem Gefolge. Nach seinem Tode 1725 interessierte sich auch der Dresdener Hof für den Nachlass des hohen Würdenträgers. Es handelte sich um besonders kostbare Stücke, die man dem sächsischen König August den Starken in einer „Specification“ zum Kauf angeboten hatte. Nachdem er eine Auswahl getroffen hatte, ließ man nach seinem Tod im Februar 1733 durch einen Mittelsmann den Ankauf tätigen und die pretiösen Kostbarkeiten durch seinen Kammerherren Hannibal August Freiherr von Schmerzing (1691-1756) im November 1734 in das von August gegründete „Grüne Gewölbe“ einliefern, das er von 1723 bis 1729 zu einem nach damaligen Gesichtspunkten hochmodernen Schatzkunstmuseum hatte ausbauen lassen. Zu den Glanzpunkten der Sammlung des Kardinals gehörte eine sog. Chalzedonschale mit der eleganten Pariser Fassung aus farbig emailiertem Gold aus der Zeit um 1650. Jene prächtige, 8,3 cm hohe Pariser Henkelschale befindet sich noch heute im Bestand der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem in neuem Glanz erstrahlten Grünen Gewölbe.
 
Abb.:  Henkelschale, Paris, um 1650, Chalzedon, Gold, Email
(aus: Schriften zur Residenzkultur, Bd. 5, Beitrag von J. Kappel, FT 3)
 
 Copyright Text: 2016 Kulturlandschaft Zwätzen e. V. / Dr. Thomas Pester
 
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