In den Stürmen der Reformation (V) - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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In den Stürmen der Reformation (V)

Historisches

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Im ausgehenden Mittelalter schien der Eifer für die Ritterorden allgemein erloschen zu sein. Ein zur damaligen Zeit viel zitierter Spottvers karikierte die Deutschen Herren als bequem lebende Pfründner ohne eine wie auch immer geartete Aufgabe oder geistliche Berufung: "Kleider aus, Kleider an, Essen, Trinken, Schlafengahn, Ist die Arbeit so die Deutschen Herren han."

Diese gängige Zeitkritik aufnehmend, richtete der ehemalige Agustinermönch Martin Luther 1523 eine "Ermanungs"-Schrift an die "herrn Deutschs Ordens das sie falsche keuscheyt meyden und zur rechten ehlichen keuscheyt greyffen", in der er die Ablegung des Ordensmantels empfahl, was eine Selbstauflösung des Ordens bedeutet hätte. Doch war es der gleiche totgesagte Orden, der sein reichsunmittelbares Territorium zu behaupten wusste. Durch die Säkularisierung Preußens und Livlands im 16. Jahrhundert seiner politischen Macht weitgehend beraubt, konnte er seinen Streubesitz im Reich jedoch nur in enger Anlehnung an den Kaiser gegen den Ansturm der Territorialgewalten verteidigen. Auch der Hauptsitz in Königsberg (seit 1457) war durch die Umwandlung des preußischen Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum 1525 verloren gegangen.


Titelseite Luther 1520

Diese preußischen Ereignisse bildeten wohl eine der schärfsten Zäsuren in der Ordensgeschichte. Nach langem und zähem Ringen gelang dem 1526 gewählten Deutschmeister Walter von Cronberg (1477-1543) die Anerkennung als Ordensoberhaupt, wobei die rechtlichen Verhältnisse auf einem Ordenskapitel festgeschrieben wurden, wo auch der Landkomtur von Thüringen persönlich erschienen ist. 1530 belehnte Kaiser Karl V. (1500-1558) Cronberg mit den hochmeisterlichen Rechten und mit dem Land Preußen, um fortan als "unser und des Reiches Fürst" auf den deutschen Reichstagen zu erscheinen und abzustimmen. Dieser Vorgang war insofern singulär, als niemals zuvor ein Hochmeister vom deutschen König die Investitur mit einem Reichslehen erhalten oder darum nachgesucht hatte. Andererseits gehörte sein Reichslehen, das Ordensland, nicht zum Deutschen Reich und er würde es auch nie wieder auf Zeit beherrschen. Neuer Sitz des "Deutschmeisters und Adminstrators des Hochmeisteramtes" wurde seit 1572 de facto Mergentheim im Hohenlohischen bis zur Aufhebung des Ordens durch Napoleon im Jahre 1809, als der Sitz auf Dauer nach Wien verlegt wurde. Zwar wurde auch die Ballei Thüringen von der Ordensszentrale in Mergentheim aus gesteuert, doch geriet sie schon bald in die Stürme der Reformation.


 

Luther im "Schwarzen Bären" 1522

 

Die angestrebte Lösung dieser an sich schon schwierigen Probleme wurde durch die Folgen der Reformation, die in Thüringen ihren Ursprung hatte, zusätzlich erschwert. Zu den eifrigsten Jüngern des Reformators Martin Luther gehörte der junge Ernestiner Johann Friedrich I. von Sachsen (1502-1554), der ein besonders enges Verhältnis zu Luther besaß. Als späterer Kurfürst hat er diesen nachhaltig unterstützt und die Reformation als sein zentrales landesherrliches Projekt durchgesetzt. Im Jahre 1529 forderte er vom altgläubigen Zwätzener Landkomtur Nikolaus von Uttenrode (1478-1545) alle Urkunden, die das Ordenshaus in Altenburg betrafen, nebst einem Erbregister. Am 7. Mai 1531 stellte dieser gedemütigt sein Amt zur Verfügung. Ihm folgt im selben Jahr als neuer Statthalter der vorher in Altenburg tätige Ritter Anton von Harstall (1486-1545), der seinen Sitz in Zwätzen nahm. Kurfürst Johann Friedrich stellte sich 1531 angesichts der Drohung der katholischen Stände, die Reichsacht gegen den "Ketzer" Luther gewaltsam durchzusetzen, an die Spitze eines protestantischen Verteidigungsbündnisses, des sog. "Schmalkaldischen Bundes. Im Zuge der Reformation ging auch der Nachfolger Harstalls zur neuen lutherischen Lehre über. Zu einem reichsweit bekannten Fall sollte sich der des eidbrüchigen Ordensritters Hans von Germar (um 1500-1568) gestalten, der später zwar auf sein Amt verzichtete, jedoch die Einnahmen zweier Komtureien zum Nachteil des Hochmeisters in Mergentheim für sich beanspruchte. In Thüringen und Sachsen konnte Deutschmeister Cronberg von Mergentheim aus schon seit 1539 nicht mehr visitieren lassen, weil die Ordenshäuser der Sequestration und weiterer Beschwerungen von seiten seiner politischen Gegner gewärtig sein mußten.

Grabsteine des Komturs
Anton von Harstall


Die Aufforderung des Hoch- und Deutschmeisters Cronberg an den Zwätzener Komtur Harstall von 1541, nicht von der alten Religion abzufallen, konnte auch als Durchhaltebefehl verstanden werden. Sein Grabmal aus heimischen Kalkstein mit der selten verwendetenen Schriftform der humanistischen Minuskel ist heute an der Westwand unter der Empore der St. Marienkirche Zwätzen aufgestellt.


 

Die Commende Zwätzen

 

© 2007, Dr. Thomas Pester

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