Die Ballei Thüringen im Mittelalter (IV) - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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Die Ballei Thüringen im Mittelalter (IV)

Historisches

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Über den Entwicklungsstand der Zwätzener Kommende um 1200 sind aufgrund der Quellenlage keine Angaben möglich. Erst im Jahre 1221 lichtet sich das Dunkel der Überlieferung, denn von nun an ist mit dem Erscheinen eines Ordensbruders als sacerdos in Zvecen der Bestand des Hauses urkundlich gesichert. In dieser Urkunde vom 13. Oktober 1221, in der sich der Erzbischof von Mainz und der Ritterorden hinsichtlich der Wahrnehmung bestimmter kirchlicher Rechte in Thüringen abstimmen, tritt ein Priester namens Hugo von Zwätzen als Gewährsmann auf, so daß von der Existenz einer Deutschordensniederlassung gesprochen werden kann.

Damit stand bereits in unmittelbarer Nähe von Porstendorf, dessen Komtur Konrad in der Urkunde ebenfalls auftaucht, ein beachtliches Deutschordenshaus, für dessen Potential die Anwesenheit von vier Zeugen bei der Beurkundung sprechen. Demzufolge befand sich 1221 auch in Porstendorf ein Deutsches Haus oder eine Komturei neben dem kurz vor 1209 gegründeten und später verwaisten Augustiner-Chorherrenstift und neben dem Mönchshof des Zisterzienserklosters Pforta.

Mönch Hugo im Schnitzaltar von 1517
mit dem Symbol der Weinrebe


Jenes Nebeneinander von Stift, Grangie und Deutschordenskommende könnte zu natürlichen Rivalitäten geführt haben, an deren Entstehung der Deutsche Orden vielleicht einen ursächlichen Beitrag besaß. Die Urkunde über den Verkauf Porstendorfs für eine Summe von 520 Mark an das Kloster Pforte war von Hochmeister Hermann von Salza am 2. Juni 1226 bei Mantua mit dem Ziel ausgestellt worden, den Streit zwischen den Zisterziensern in Pforte und den Deutschordensbrüdern beizulegen. Für die Entwicklung der Kommende dürfte die Auflösung jener knapp nordöstlich von Zwätzen gelegenen Deutschordenskommende Porstendorf im Jahre 1226 insofern von Bedeutung gewesen sein, als vermutlich das bis dahin dort lebende Ordenspersonal nach Zwätzen überstellt wurde. Die Entstehung eines Ordensgebäudes als Sitz des Landkomturs sollte durch den Ausbau des ehemaligen Klosterhofes der Altzeller Niederlassung vonstatten gegangen sein. In Analogie zu anderen Kommenden kann man davon auszugehen, dass auch das Zwätzener Haus in unmittelbarer Nähe zu einer kleinen Kapelle, dem Vorläufer der späteren Ordenskirche, erbaut worden ist.


Für das Deutsche Reich insgesamt gilt, daß sich das Amt des Landkomturs und damit die Gliederung in Balleien erst allmählich mit dem wachsenden Besitz während des Zeitraums von 1228 bis 1285 entwickelt hat. Ein Kriterium dafür dürfte wohl die Unterstellung anderer Amtsträger, also Komture, in einem abgrenzbaren Bereich, sowie die Wahrnehmung entsprechender Befugnisse gewesen sein. Als einen Vorläufer dieser Entwicklung nimmt man den ab 1218 nachweisbaren Landkomtur von Deutschland an, dem 1236 ein weiterer Landkomtur, der von Sachsen-Thüringen, unterstellt worden ist. Dieser Landkomtur für eine eigenständige Ordensprovinz Sachsen-Thüringen tritt erstmals in einem Vertrag über das Heiliggeist-Spital in Bremen zwischen dem Orden und dem dortigen Domkapitel in Erscheinung, welchen damals ein frater Th. de domo Theutonica dictus commendator sive rector domorum nostri ordinis per Thuringiam et Saxoniam constitutarum (Bruder Th. Des Deutschen Hauses, Komtur und Rektor der in Thüringen und Sachsen eingerichteten Häuser unseres Ordens) mit besiegelt hat.

Siegel des
Komturs von Plauen


Diese Tatsachen berechtigen zu der Aussage, daß man, beginnend im Jahre 1236, von der Herausbildung der Ballei Thüringen-Sachsen sprechen kann. Die Ursache ihrer Entstehung sei im Besitzumfang zu suchen. Nach dieser Auffassung haben Hoch- und Deutschmeister vermutlich gemeinsam auf dem zu Marburg abgehaltenen Kapitel die Verwaltungsänderung durchgesetzt. Bereits 1227 war ein beträchtlicher Zuwachs durch die Kirche zu S. Blasius in der Altstadt von Mühlhausen mit dem Patronatsrecht und allen ihren Besitzungen durch König Heinrich VI. zu verzeichnen gewesen. Dazu gesellten sich in Mühlhausen zwei Kirchen in der Altstadt. Am Ende des Zeitraumes verfügte die Ballei über fünf Ordenshäuser: Halle, Altenburg, Nägelstedt bei Langensalza, Liebstedt und Zwätzen, das bis 1809 immer Sitz des Landkomturs geblieben ist. Die Ballei umfasste aber ein noch größeres Gebiet, denn es zählten beispielsweise auch die großen Deutschordenshäuser in Plauen in Vogtland und Eger in Böhmen dazu. Die 1258 erfolgte Verleihung des Verleihung des Patronatsrechtes der Kirche von Eger durch Konradin, welche Papst Alexander IV. bestätigt hat, war spektakulär und die Kommende Eger war später besonders reich an Einkünften und Besitz.


Der jeweilige Komtur-Kandidat wurde von den anderen Häusern der Ballei Thüringen gewählt und war diesen vorgesetzt. Nachdem 1236 zuerst der mit "Th." bezeichnete Landkomtur von Thüringen und Sachsen erschien, wird 1248 als commendator domus Theutonice in partibus Thuringiae et Saxoniae in Zwätzen Eckehard von Trebsen (Trebzin) und 1253 ein "Heydenreich von Zwätzen" erwähnt. Nach dem Aussterben der Ludowinger Landgrafen erweiterte das Haus im 13. und 14. Jahrhundert seinen Besitz bzw. Einnahmen vor allem durch Schenkungen. Die Palette reichte von Grundbesitz einschließlich aller Rechte -mit Ausnahme der hohen oder Halsgerichtsbarkeit- bis zu reinen Zinsübertragungen ohne gleichzeitige Eigentumsübergabe. Dabei taten sich andere benachbarte Grundbesitzer, wie die Burggrafen von Kirchberg sowie die Herren von Gleißberg, besonders hervor. So übergab Dietrich von Kirchberg 1254 dem Deutschen Haus in Zwätzen großzügig die Zehnten aus seinem Weinberg.

 

Karte von Militzer: Die Entstehung der DO-Balleien im Reich im 13. Jh.

 

Um der Ordensleitung einen regelmäßigen Überblick über die Brüder und die einzelnen Häuser in den deutschen Landen zu ermöglichen setzte auch der Deutsche Orden das Instrument der "Visitation" ein. Seit 1264 gab es das Visitatorenpaar aus einem Ritter- und einem Priesterbruder mit sehr weitgehenden Vollmachten. Zu einer der größten Visitationsreisen gestaltete sich die von 1451, von der noch das Tagebuch von Georg von Elgoffstein (s. Abb.) existiert. Auf der Hin- und Rückreise übernachteten sie auch mehrere Tage in Zwätzen, auf Unsers Ordens gutem Schloß.

 
 
 

Tagebuch von Georg von Egloffstein

 

© 2007, Dr. Thomas Pester

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