Der Orden in der "Zeitenwende" 1806-1815 (VIII) - Kulturlandschaft Zwätzen e.V.

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Der Orden in der "Zeitenwende" 1806-1815 (VIII)

Historisches

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In den Jahren von 1801 bis 1809 vollzog sich die letzte Phase des Kampfes um die Besitzungen des Deutschen Ordens, die aber den Schlägen Napoleon Bonapartes nicht stand zu halten vermochten. Zunächst hatte der Friedensschluss von Luneville von 1802 noch gewisse Hoffnungen geweckt. Schliesslich war dort festgelegt worden, daß der Deutsche- zusammen mit dem Malteserorden aus "Rücksicht auf die Kriegsdienste ihrer Glieder" der Säkularisation entzogen werden sollte. Auch nach dem "Reichsdeputationshauptschlusss" von 1803 konnte man noch zufrieden sein, da der Deutsche Orden zu jenen drei geistlichen Fürstentümern gehörte, die der drohenden Säkularisation entgangen waren. Aber bereits nach dem "Frieden von Preßburg" von 1805 war klar geworden, dass das Schicksal des Ordens besiegelt war. Von einigen der deutschen Territorialfürsten wurden ihre Ansprüche auf die in ihren Gebieten liegenden Ordensbesitzungen unverhüllt erhoben. Allerdings war im Wortlaut des Friedens noch keine Stelle enthalten, die von der Auflösung des Ordens sprach. Erst die Rheinbundakte von 1806 brachte den endgültigen Verlust der Reichsunmittelbarkeit mit sich. Bereits am 22. März 1806 war in Mergentheim die Abtretung des Hoch- und Deutschmeistertums an das österreichische Kaiserhaus inclusive aller "Ordens-Besitzungen, Rechten, Domainen und Einkünften" erfolgt.

 

Das Deutschordensschloss in Mergentheim. Zeichnung von J. L. Rosshiet (1839)

 

Die Satellitenstaaten Napoleons zogen die restlichen Besitzungen des Ordens an sich und das neue Königreich Württemberg erhielt das Fürstentum Mergentheim. Bis zuletzt suchte der Orden indes um seiner Existenz willen die enge Verbindung mit dem kaiserlichen Hof in Wien zu wahren. Als Vertreter der Interessen des Ordens am Wiener Hof fungierte in den letzten Jahren der Landkomtur der Ballei Österreich Karl von Zinzendorf (1739-1813), ein Neffe des berühmten Herrnhuters. Der als ehemaliger Jenaer Student eifrige Zwätzen-Gänger, und auch späterhin sehr gewandte, 1770 in Mergentheim zum Ritter geschlagene Graf hat auch das uneingeschränkte Vertrauen von Hochmeister Maximilan Franz (1756-1801) besessen.

Im Oktober 1806 hatte die Kriegsfurie auch den Thüringer Raum mit Jena und Zwätzen erreicht. Bereits am 13. September 1806 war auf Befehl Friedrich Wilhelms III. (1770-1840) der preußische Einmarsch in Sachsen unter dem Bruch von zwei Verträgen erfolgt. Im Herbstfeldzug 1806 sollten sich Teile der sächsischen Streitkräfte an der Seite der Preußen wiederfinden, wobei die sächsischen Offiziere und Soldaten größtenteils keine Kriegserfahrung besaßen.

Graf Karl von Zinzendorf
als Landkomtur von Österreich

Das als Doppelschlacht von Jena und Auerstedt von 1806 in die europäische Geschichte eingegangene Ereignis sollte eine schicksalhafte Wende auch für das alte Kurfürstentum Sachsen mit sich bringen. In unserem Kontext ist es insofern von Belang, darauf knapp einzugehen, als es auch mithalf, das Finale der Ordensgeschichte einzuläuten und gleichsam nebenbei auch ein thüringisches Ordensterritorium tangierte. Man mag es einen Zufall betrachten, daß die Umgebung des alten Balleisitzes in Napoleons Szenario eine gewisse strategische Rolle gespielt hat. Dieses sah vor, daß sein Marschall Jean de Dieu Soult (1769-1851), der das IV. Korps der französischen Armee befehligte, nördlich Jenas durch das Rautal bei Zwätzen vorstoßen und den Gegner in die Zange nehmen sollte. Sein Angriffsplan sah folgendes Manöver vor: Der Marschall Soult wird von Jena aus über Zwetzen das Plateau auf dem Wege ersteigen, den er rechts recogniscirt hat (das Rautal), er vereinigt sich und bleibt fortgesetzt in Verbindung mit der Armee, um deren rechten Flügel zu bilden. Die Aufstellung ist im Allgemeinen in zwei Treffen, abgesehen von der Linie der leichten Infanterie. Die Treffen in Abständen von höchstens 250 Schritt [...].


 
 
 

Pfarrer Putsche führt die Franzosen durch das Rautal

 

Zum Andenken an die in der Schlacht gefallenen oder im Zwätzener Lazarett verstorbenen sächsischen Soldaten stiftete der letzte Zwätzener Komtur, Freiherr Moritz von Berlepsch (1736-1809), ein schlichtes Grabmal. Dieses wurde im Jahr seines Todes errichtet und ist das älteste zeitgenössische am Rande des ehemaligen Schlachtfeldes. Mit dem Tode Berlepschs, eines Neffen des sächsischen Premierministers, verlor die Kommende ihr geistliches Oberhaupt, ihren angestammten Gerichtsherren und zugleich den wichtigsten Arbeitgeber. Den vergleichsweise milden Glanz von Berlepsch's Erscheinung widerspiegelt ein Porträt eines bedeutenden Künstlers der damaligen Zeit.

Sachsengrab Zwätzen

Während eines Aufenthaltes in Dresden entstand ein Gemälde des Dresdner Hofmalers Anton Graff (1736-1813). Das als Brustbild gemalte Bildnis zeigt den Zwätzener Komtur im Deutschordenshabit in würdevoller, adelsstolzer Haltung. Dabei tritt der Glanz der äußeren Erscheinung, wie bei anderen Bildern Graffs, zurück hinter die verinnerlichte Physiognomie. Das mit hohem Können auf glattem Hintergrund gemalte Porträt befindet sich heute im Ausstellungsteil des Mergentheimer Schlosses.


 
 
 

Graff-Porträt von Berlepsch

 

© 2007, Dr. Thomas Pester

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